©Einige Werke des Ikebana Meisters Yasunari Ueda

Im Gespräch mit dem Ikebana Meister Yasunari Ueda

Im Gespräch 2. Sep. 2021

In dieser Ausgabe unserer Gesprächsreihe, haben wir uns mit dem Ikebana Meister Yasunari Ueda aus Nishinomiya, in der Präfektur Hyogo, in der Nähe von Osaka, unterhalten. Dabei wird ein weiter Bogen auf dem Lebensweg des Meisters gespannt, von seinen Anfängen als Beobachter auf dem Weg der Kunst des Ikebana, bis in die Gegenwart als Leiter einen kleinen Schule und eines Blumengeschäfts.

Erzählen Sie uns wenig, wie Sie zum Ikebana gekommen sind.

Gab es das Interesse schon immer oder ist es erst entstanden?

Wer war(en) Ihre ersten Lehrmeister?

Als Kind war ich nicht besonders an Ikebana interessiert. Meine Großmutter, die ich sehr liebte, war eine Ikebana Meisterin, unter ihrem Einfluss lernte ich diese Kunst kennen. Aber erst als Erwachsener fing ich wirklich damit an, Ikebana zu lernen

Gab es am Anfang Schwierigkeiten oder fielen Dir die ersten Schritte im Ikebana leicht?

Zuerst fühlte es sich einfach an.

Aber je mehr ich mich damit beschäftigte, umso schwieriger wurde es.

Wie ging es dann weiter und was hat Sie dazu bewegt diesem Weg professionell weiter zu verfolgen?

Als ich jünger war, wurde ich von meiner Großmutter unterrichtet und half in ihren Ikebana Klassen, während der Zeit konnte ich noch halbtags arbeiten.

Für eine ganze Zeit ging es einfach so ohne Veränderung weiter und ich frage mich heute warum. Ich dachte niemals daran mit dem Ikebana aufzuhören, schien jedoch auch nicht besonders daran interessiert mehr zu wollen. Aber das änderte sich irgendwann. Die Idee, die Kunst des Ikebana professionell weiterzumachen, setzte sich in meinen Kopf. Das brachte mich in große Schwierigkeiten, weil ich keine normale Arbeit mehr annehmen konnte, denn ich musste mich ganz auf das weitere Studium des Ikebana konzentrieren. Meine Familie unterstützte mich weiterhin und ich folgte mehr denn je, dem Weg des Ikebana.

Wann wurden Sie selbst ein Meister oder Lehrer?

War dies ein schwerer Schritt, gab es viele Hürden bis dahin?

Nachdem uns meine Großmutter verlassen hatte, übernahm ich ihre Ikebana Schule und wurde dessen Lehrer, was sehr schwer war. Ich musste die bisherigen Schüler übernehmen und natürlich auch neue finden. Dazu kamen viele Fragen auf, z.B. auf welche Art ich unterrichten wollte, wie ich meinen Ikebana Stil ausrichten sollte und vieles andere mehr. Ich machte mir große Sorgen über viele Dinge und versuchte mich an verschiedenen Stilen aus. Gleichzeitig nahm ich auch an einigen Wettbewerben teil. Die Tage waren ausgefüllt.

In allen japanischen Künsten, so auch im Ikebana, verfolgt ein Meister vor allem auch die Unterweisung und den Unterricht anderer Schüler, ist das richtig?

Ja, in vielen japanischen Kunst- und Kulturrichtungen, unterrichten Meister ihre Schüler direkt. Aber je nach der Größe der Organisationen, könnte es sein, dass manche Meister dies nicht selbst tun.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie eigene Schüler annehmen konnten?

Ich war nach 6 Jahren Unterweisungen selbst in der Lage zu unterrichten. Seit der Zeit lehre ich die Kunst des Ikebana. Aber ich denke noch immer nicht, dass ich ein perfekter Lehrer bin. Je tiefer man in eine Materie vordringt, umso mehr Herausforderungen kommen auf. Ein Aspekt meines Weges ist also weiter daran zu arbeiten und an meinen Unterrichtsmethoden zu feilen.

Was ist noch Teil Ihrer Arbeit als professioneller Ikebana - Meister?

Ich gehe in Restaurants und Geschäfte, um dort Blumen zu arrangieren und dekorieren. Und ich stelle Blumengestecke zu vielerlei Anlässen des Lebens her, eben wie es ein Blumenladen auch tun würde.

Verfolgen Sie diese kurz erwähnten Wettbewerbe weiterhin aktiv oder nimmt ihre Arbeit einen zu großen Anteil ein?

Ich denke für mich nicht mehr, dass Ikebana ein Wettbewerb ist. Im Ikebana stellt man sich seiner selbst und den Aspekten des Lebens, der die Menschen um einen herum glücklich macht. Deshalb nehme ich nicht mehr an Wettbewerben teil.

Wie hat sich Ihre Arbeit vom reinen Ikebana hin erweitert? Als Geschäftsmann mit eigenem Studio müssen Sie gewiss viele Neuerungen versuchen, um neue Kundschaft anzuwerben.

Es ist schwer, die Kunst des Ikebana als ein Geschäft zu betreiben. Es geht mir darum, dass was ich mir jetzt aufbaue, bis ins Alter weiterbetreiben zu können, also nicht zu sehr auf schnelles Wachstum ausgerichtet zu sein. Es ist ein langer, stetiger Weg. Also führe ich meine gesamten Unterrichtsklassen allein. Und ich höre auf die Geschmäcker der Studenten und lasse es in ihren Unterricht einfließen. Um ehrlich zu sein, hätte ich jedoch gerne mehr zu tun. Es kann niemals genug Arbeit geben.

Welche Herausforderungen hat die aktuelle Zeit eingefordert? War es schwer sich umzustellen und hat es alles schwerer gemacht? Hat sich Ihre Arbeit verändert oder wenn ja, wie?

Was meine Arbeit betrifft, hat sich nichts weiter verändert. Durch die neue Situation ist ein stärkerer Fokus auf die einzelnen Schüler möglich. Ich denke immer daran mich nicht zu sehr zu verändern oder mich von meinem Pfad abbringen zu lassen.

Wie hat sich Ihre Kunst im Laufe der Zeit weiterentwickelt? Gibt es etwas, das sie aktiv unternehmen um sich selbst als Mensch und Künstler für das Ikebana zu erweitern?

Die Arbeit selbst wächst nicht an. Aber ich denke, die Qualität der Arbeit nimmt zu, weil man sich ihr immer intensiver widmet.

Je älter ich werde, umso mehr interessiert mich die Philosophie des Ikebana. Ich habe begonnen den Reiz des Ikebana stärker zu fühlen. Ich habe auch begonnen mehr über den Buddhismus zu lernen, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Auch von meiner Seite, vielen Dank.


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