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Rückkehr nach Metropolis

Artikel 2. Sep. 2021

Dies beschreibt den Augenblick der Rückkehr ins Krisengeschüttelte Japan nach dem Erdbeben in Tohoku im Jahr 2011, die schwere Situation und die zahlreichen Ängste in der Zeit, wie der Autor sie selbst erlebt hat.

Für eine kurze Zeit nur den Ort verlassen, mit einem festgelegten Zeitplan bald zurückzukehren, der Ort meiner neuen Heimat, von der Kraft der Natur und der Menschen Achtlosigkeit schwer getroffen, die sich die Katastrophe in ihrer Vorstellungskraft nicht ausmalen konnte, genährt von der jähen Brutalität der Geschehnisse, in jedem Bild auf dem Bildschirm dokumentiert.

Nachdem wir viel länger fernblieben als erwartet, mussten wir dem Ruf der Heimat folgen oder wenigstens entscheiden, was in diesem Augenblick noch nicht oder nur schwer entschieden werden konnte. Also packten wir das Essentielle nur, ließen die wichtigen Dinge zurück, dort wo sie sicherer schienen, und nahmen einen Flug zurück nach Osten, ins Land der aufgehenden Sonne, wo unser Leben war und mittlerweile auch die Angst wohnte.

Zurück nach Metropolis, einer Stadt mit unglaublichen Proportionen, drei Städten in einer, mit Millionen von Menschen, die sich zusammenfanden, lebten und arbeiteten, jeden Tag hin und her pendelten, in einem endlosen Strom, mit mechanischer Präzision.

Ein kühles, durchschüttelnden „Hallo“ erhielten wir bei der Ankunft, um ja nicht zu vergessen, was einen Monat vorher geschehen war, als Erinnerung an die Gefahren und die Angst, die sich in den Menschen ausbreitete, die zurückblieben.

Und ich konnte es in ihren Gesichtern sehen, überall war es zu sehen - das Biest des Terrors hatte sie noch nicht verlassen, die Lebenden zu umkreisen, damit drohend, jeden Augenblick erneut loszuschlagen, das nächste Mal vielleicht sogar härter.

Oder war es nur die eigene Angst, die sich in den Gesichtern der Menschen widerspiegelte?

Die einst überfüllten Straßen und Orte waren ohne die Menschenströme, noch immer genug, mochte man sagen, aber denjenigen, die wussten, wie es einst war, war klar, dass etwas im Argen lag.

Das Licht überall dort ausgeschalten, wo es unnötig schien, limitierte Wasserrationen beim Einkauf, wegen der Hamsterkäufe damals, die Herstellungsort von Obst, Gemüse und allem Essbaren überall nachzuprüfen, denn ein unsichtbarer Feind hatte das Land befallen, vom Menschen aus Gier, Hunger, Bequemlichkeit gemacht, aber ohne ein Gefühl für die entfachte Gefahr, für tausend Jahre wütend, das Land und die Leute vergiftend, die bereits vergewaltigte Erde noch weiter vergiftend.

Und Erinnerungen an einem jeden Tag, nicht stark, aber deutlich genug, um Angst zu bekommen und hochgradig achtsam zu bleiben - das Leben wie es einstmals war, schien verloren. Aber nicht für alle.

Da jeder mit anderen Augen schaut, die Gefahr erkennend oder ignorierend, vollkommen im Klaren, aber in andere Richtungen schauen, aus welchen Gründen auch immer und langsam schien das Leben zur Normalität zurückzukehren, Menschenströmen auf den Straßen, Menschenmassen in den Zügen, kein Wort mehr darüber in den Nachrichten und überall Wasser zu kaufen, ohne Restriktionen…

Der Blick von außen zeigt eine Szenerie der Normalität, aber hinter den Schleier der Oberflächlichkeit zu blicken, in das Gesicht der Übriggebliebenen, während die meisten Fremden das Land verlassen haben, ein Wort erhebend, nach der Zeit des Horrors zu befragend, zeigt die bittere Wahrheit:

Dass in ihren Herzen und Seelen viel mehr vor sich geht, zu schwer, um es einfach zu verbannen, ein bleibender Begleiter für eine lange Zeit, wie eine schwere Bürde, ein Schmerz, eine Angst, eine grausame Erinnerung hinter einem Lächeln des Anstandes.

In Metropolis geht viel mehr vor!

Während die Orte der Katastrophe im Westen weiterhin in Schutt und Asche liegen und die Menschen ohne Obdach sind, hoffnungsvoll wartend, aber allein gelassen, und im Hintergrund lauernd, die unsichtbare, strahlende Gefahr, die jederzeit wieder zuschlagen kann, unerwartet und ohne Vorwarnung.

Ein verängstigter Reisender ist zu meinem Begleiter geworden, mit dem Kommenden zu leben, was auch immer es ist, und ich glaube, dass ich nicht der Einzige bin, dem es so geht. Es ist in den Menschen zu spüren.

Metropolis hat mehr Seelen verloren und verliert sie immer weiter, seit die Kräfte der Natur das Land erschüttert haben und die Idiotie der Menschen einmal mehr offensichtlich gemacht hat.

Ist es nun endlich still geworden (oder für den Augenblick) oder ist dies die Stille vor dem Sturm oder leben wir bereits darin?

Der Grund, warum ich den sicheren, weit entfernten Hafen meines Heimatlandes verlassen habe, über lange Entfernungen, Länder und Ozeane hinweg, ist das auch ein Verstecken und Warten keine Antworten auf das Leben sind.

Das Leben ist unberechenbar und wundervoll und kann voller Freude sein.

Wie kann man davon in der Dunkelheit wissen oder wenn man immerzu in Angst lebt? Was geschieht, wird geschehen, man „muss“ sich dem stellen, wieder aufbauen und der letzte Tag kann kommen. Aber nimm dir Zeit, denn es gibt so viel auf das man sich in diesem Leben und dieser Existenz freuen kann.

R. Rehahn, irgendwann im Mai 2011...

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R. Rehahn

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