Der Dialog von Mensch und Natur

Ausgabe 3 2. Sep. 2021

Dies ist der erste Beitrag in einer Reihe von Artikeln, über den Dialog mit der Erde, auf dem Weg zu sich selbst, sehr persönlich, aber gleichzeitig einladend & anleitend.

10. Oktober 2015

"In dem Moment - als ich erkannte, dass die Natur verbindender Teil meines Lebens und die Sprache des Herzens mein Weg ist, habe ich angefangen mich als Wesen zu begreifen.“

Ich möchte hier über das Wunder der Schöpfung, die Schönheit der Erde und über das Fühlen mit allen Sinnen berichten. Es geht um unsere Zukunft, um die unserer Kinder und Enkelkinder… es geht um uns als Menschen. Die Erde mit ihrem Ausdruck, der sich durch die Natur zeigt und wie mit einer Vision:

Dem Dialog von Mensch und Natur - mit Herz und Mitgefühl, ein anderer Weg möglich ist, als der die Erde zu zerstören und auszubeuten.

Der Anfang…

Als Teil meiner Ausbildung bei der AXIS MUNDI Akademie – Geokultur – die Wiederentdeckung alter Kulturen und Lebensweisen zur Verbundenheit von Erde und Mensch - besuchten wir als Gruppe, die Sächsische Schweiz. Es war das zweite Seminarwochenende und dort sollte es, um die ANIMA LOCI „Die Seele der Landschaft“ gehen. Bereits am ersten Tag, im Gebiet um den Pfaffenstein durfte ich erleben, wie es sich anfühlt, im Loslassen, entspannt sein und der bewussten Wahrnehmung meinen Platz in der Landschaft einzunehmen.

Erfahrungen, wie eins zu sein, mit dem Atem der Natur, den Duft des Waldes intensiver wahrzunehmen, dass Gefühl zu haben, dass der Körper sich ausdehnt und in der Auflösung von Zeit und Raum zu sein, haben mich sehr berührt.

Das Betreten der Landschaft und des Waldes waren für mich wie ein nach Hause kommen.

Der nächste Tag…

Heute wollten wir den Übergang zwischen Tag und Nacht erleben. Deshalb sind wir am frühen Abend losgegangen. Der Weg führte durch den Wald, bis zu einer Anhöhe, auf der eine weite Sicht auf die Umgebung und Wälder möglich war.

Unterwegs ging es einer Frau aus der Gruppe nicht gut. Sie hat alle Kraft zusammengenommen, um es bis zu unserem Platz zu schaffen. Ihr Unwohlsein verschlimmerte sich und deshalb war ich bei Ihr, bis es ihr besser ging. Die Entscheidung war für mich, wie für Sie in der Nachbetrachtung wichtig. Für mich war es ein Einstimmen, auf dass was dann kommen sollte. Ich habe dem Denken weniger Raum gegeben, war zuerst in der Hingabe bei ihr, um anschließend mit einer Frage in den Moment zu gehen.

Inzwischen waren alle anderen eingeladen, sich einen Platz zu suchen, den Blick in die Natur schweifen zu lassen und die Frage zu stellen:

„Warum bin ich hier?“

Der Übergang und die Antwort für mich

Als ich dann auch auf meinen Platz angekommen war, hat mich die Schönheit und die besondere Atmosphäre ganz still und ehrfürchtig werden lassen. So habe ich die Frage für mich gestellt.

Was ich jetzt aufschreibe, habe ich so erlebt, es ist das was ich empfangen durfte und wahrgenommen habe.

„Ich liebe die Erde so sehr, sie berührt mich tief in meiner Seele. Ich bin ein Kind von Mutter Erde. Sie nährt mich. Ich spüre ihre Liebe und Schönheit.“

Dann nehme ich Ihren Schmerz wahr. Sie möchte für uns alle Lebensraum schaffen… Das Bild der Vollkommenheit das sich für mich ergab, war die Antwort von ihr.

„So wie hier war es einmal überall auf der Erde.“

Ich spüre etwas, wie Verzweiflung und Hilflosigkeit. Auch Ihren innigen Wunsch uns zu schützen und zu nähren.

Ich höre Ihre Worte:

„Lasst nicht zu, dass wir für immer alles verlieren.“ „Hilf den Menschen zu spüren und zu erkennen, dass ich sie für sie da sein möchte. Hilf den Menschen ihr Herz zu öffnen."

Dann umgibt mich ein Gefühl von unendlicher und bedingungsloser Liebe an diesem Platz. Es ist mein Zu Hause. Hier fühle ich mich geborgen. Die Stille ist atemberaubend und die Weite, die sich auftut, kaum in Worte zu fassen. Ich sitze schweigend auf dem Boden. Neben mir wächst Heidekraut, welches ich achtsam berühre. Ich sehe alles mit anderen Augen. Die Felsen, links und rechts, schützen wie Arme. Ein Windhauch streift mich. Die blutroten Wolkenhimmel auf der einen Seite, die Schwärze auf der anderen. Der Nebel am Horizont steigt dazu auf. Die Ankündigung der Nacht erlebe ich intensiv und bewusst. Ich bin verbunden, wie an einer Nabelschnur, mit der Gruppe, dem Berg und der Erde.

Fast 2 Jahre Später…

Was das Erlebte, die Worte und die Antwort auf meine Frage, warum ich hier bin, bedeutet, habe ich in dem Moment des Erlebens noch nicht erfassen können. Es brauchte noch viel Zeit, bis ich mich wieder daran erinnerte.

Im Rahmen des Abschluss für die Geokultur waren wir aufgefordert, ein Thema zu finden, dass die praktische Umsetzung für das Erfahrene und Gelernte aufzeigt. Ich war erst ratlos, hin und her gerissen, mit den vielen Möglichkeiten, die ich liebe, die aber auch ein Hindernis sein können.

Dann im Kontakt mit der Natur, eröffnete sich etwas, ganz zart und noch gar nicht so sehr greifbar.  – „Der Dialog mit der Erde.“  Wie ist die Erde spürbar, wie können wir mit ihr kommunizieren. Was braucht es, um in den Dialog zu kommen?

Im Laufe der Zeit hat es durch Unterstützung der Gruppe, in der Ausbildung, noch eine Anpassung gegeben. Die Erkenntnis „Ich bin der Dialog. Das Projekt und ich – die Erde hält.“, war in diesem Zusammenhang sehr wichtig. Dabei bemerkte ich, dass ich mich vorher vergessen hatte. Später im weiteren Verlauf des Arbeitens ist mir bewusst geworden, dass die Natur schon immer ein wichtiger Begleiter in meinem Leben war, sie hat mich geführt.

„In dem Moment - als ich erkannte, dass die Natur verbindender Teil meines Lebens und die Sprache des Herzens mein Weg ist, habe ich angefangen, mich als Wesen zu begreifen.“

Nun ist die Geokulturarbeit zu einer ganz persönlichen Antwort auf meine Suche nach Heimat und dem eigenen Ausdruck geworden. „Mein Weg - im Dialog mit der Natur.“

Ein Kreis hat sich geschlossen & ein neuer öffnet sich.

Ein Teil von mir kann nun besser verstehen, was sich die Erde von mir wünscht. Es ist die Botschaft, die ich in die Welt tragen kann.

„Hilf den Menschen, ihr Herz für die Erde / die Natur zu öffnen.“

Im Verlauf der Dialog Arbeit, war mein tiefgreifendstes Erlebnis zu fühlen, was es bedeutet, wenn es keine Natur mehr gibt. Das war ein schrecklicher Moment, begleitet von einer tiefen Ohnmacht. Dennoch hat es mir die Augen geöffnet. Ohne die Natur sterben wir als Menschheit, sie ist unsere Lebensgrundlage.

… und nun entwickelt sich meine Vision…

Der Dialog von Mensch und Natur mit Herz und Mitgefühl.

Im Fühlen verändert sich Bewusstsein und schafft eine neue Beziehung zur Natur.

So begreifen wir unser Handeln für die Erde und kommen ins Tun, dass wirkt.

Der Mensch, der im Bewusstsein von Schönheit und Einzigartigkeit, als fühlendes mit allen Sinnen wahrnehmendes Wesen, im Rhythmus und in der Natürlichkeit lebt.

Das Wunder der Natur erkennen, in jedem Blatt, jeder Pflanze, jedem Baum, jedem Stein und vielem anderem mehr, die Zusammenhänge von Zyklen und Rhythmen verstehen, schafft neues Denken und Handeln.

Achtsam im Dialog mit sich, anderen und der Erde / Natur, in Anerkennung für das Wunder des Lebens.

Wie wertschätzend wir miteinander kommunizieren, wie achtsam wir uns zuhören und welche Strategien wir anwenden, um Bedürfnisse zu erfüllen, hat Einfluss auf unseren Umgang im Miteinander.

Was habe ich dann mit meinem Forschen weiter entdeckt?

Die Natur, als Ausdruck der Erde ist einzigartig und wundervoll. Deshalb zieht es mich nun immer wieder in die Natur. Dabei sehe ich neu und anders. Es entstehen Fotografien, die die Vielfältigkeit, die Farbenpracht und Strukturen zeigen, die sich mit den Jahreszeiten verändern. Neues kommt dazu, etwas verblasst wieder, löst sich auf.  Immer wieder lässt es mich staunen und wundern. Ordnungen und Natürlichkeit werden sichtbar. In der Vollkommenheit der Schöpfung inspiriert die Natur, schafft sich immer wieder anders. Der Wechsel der Zeiten ist dabei intensiver erlebbar, die Übergänge von einer Jahreszeit in die andere laden zum Innehalten ein. Sowie auch Momente, wenn es in der Natur ganz still ist, sind einzigartig im Erleben. In die Natur einzutauchen ist mehr als nur ein Spaziergang. Wenn ich mich einlasse, dann eröffnet sich ein Dialog.

Diese Zwiesprache wiederum gibt Antworten und neue Impulse. Es öffnet auch die eigene Kreativität.

Die Sache mit dem Fühlen…

In der Begegnung mit der Natur hat sich mein Fühlen intensiver entwickelt und seinen Ausdruck gesucht. Inzwischen ist für mich das Fühlen mit allen Sinnen, untrennbar mit der Schönheit verbunden. Schönheit ohne Gefühl ist leer, nur ein Bild. Erst mit der intensiven Wahrnehmung mit allen Sinnen und dem Fühlen, öffnet sich das Herz. Wenn sich alles miteinander verbindet, dann gelingt auch der HerzensDialog mit der Natur, mit sich selbst und anderen.

Wichtig ist dabei zu wissen, dass es beim Fühlen in alle Richtungen geht, eben um das ganze Spektrum von „Himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt“. Denn Schmerz, Trauer und Wut gehören ebenso so dazu und brauchen ihren Raum, wie auch Freude und Liebe. Es macht mich wacher und emphatischer.

Die guten Nachrichten

Fühlen ist wieder erlernbar. Wir haben es nicht bemerkt, dass über all dem technischen Fortschritt, dass Gefühle weniger oder keinen Raum mehr haben. Wir ziehen es vor zu funktionieren oder uns Freude zu erkaufen. Die Gesellschaft hat sich darauf ausgerichtet. Gefühle werden abtrainiert. Für mich drückt es sich darin aus, dass wir von unserer Natürlichkeit abgeschnitten sind.

Das Fühlen mit allen Sinnen bringt uns wieder zum Menschsein zurück. Dafür braucht es unsere bewusste Entscheidung. Die Möglichkeiten die eigenen Gefühle wiederzuentdecken sind vielfältig.

Alles ist mit allem verbunden, wenn eine Tür geöffnet wird.

Wer jetzt direkt einen Zugang zum Fühlen sucht, kann im eigenen LebensRaum beginnen. Das ZuHause, der Ort, die Wohnung – ist ein starker Ausdruck unseres Selbst. In vertrauter Umgebung können wir hier möglicherweise entspannter in die Beobachtung und Wahrnehmung gehen. Dazu können folgende Fragen unterstützen:

Wie geht es mir, wenn ich zu Hause ankomme, öffnet sich dann mein Herz? Unterstützt mich dieser Ort in meiner Natürlichkeit? Fühle ich mich leicht und kann ich Veränderungen hier gut umsetzten? Wie nehme ich meinen Raum ein?

Der Lebensraum als Spiegel der Seele, bringt sich in der Bewusstheit dem Fühlen und der Wahrnehmung von Schönheit näher.

Eine andere Möglichkeit ist der Dialog mit anderen oder vielmehr das Zuhören. Hier finden sich Hinweise auf mein Fühlen. Wie gut kann ich zuhören, ohne mich selbst immer wieder reden zu hören? Wie empathisch kann ich im Austausch sein?

Ja und dann kann ein Hinweis, wie es mit dem Fühlen steht, auch der Umgang und die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse sein. Es geht hier nicht um Materialität. Es geht um Grundbedürfnisse Bedürfnisse, wie zum Beispiel, emotionale Sicherheit, saubere Atemluft, Vertrauen, Hingabe und viele andere mehr. Kenne ich diese Bedürfnisse? Wie viel Raum haben sie in meinem Leben? Auch hier steckt viel Gefühl für uns selbst.

Im Hier und Jetzt.

Ich gebe zu, es ist ein weites Feld und viele Themen, die so miteinander verwoben werden. Im Prinzip ist bereits alles miteinander verbunden.  Das hat sich auch in der weiteren Entwicklung, in meinem Leben gezeigt. Deshalb ist alles worüber ich schreibe von persönlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen geprägt. Dennoch finden sich auch Parallelen und Übereinstimmungen mit den Wahrheiten und Erkenntnissen von anderen Menschen.

So bin ich jetzt dankbar und freue mich in den nächsten Ausgaben über diese Themen umfänglicher zu schreiben und mit meinen Bilder zu zeigen, was mich im Denken, Fühlen und Handeln bewegt.

Ich möchte über die Antworten der Natur zum Thema Fühlen mit allen Sinnen und Dialog berichten. Denn in der Natur gibt es einen ganz besonderen Zugang. Diesen möchte ich teilen.

Darüber hinaus möchte ich Menschen einladen, sich mit Ihrer Natürlichkeit zu beschäftigen. Wie zum Beispiel, gebe ich meinen Gefühlen Raum? Was brauche ich, um glücklich zu sein? Denn das Wissen der Natur ist es, was uns als Mensch unterstützt. Natur verbindet. Sie ist … einfach. Sie kennt … ihre Bedürfnisse. Es ist ein Weg zurück zu unseren Wurzeln und der inneren Heimat. Dieser Weg führt zu dem was in der jetzigen Zeit trägt und uns als Mensch in unsere Stärke bringt.  Eine Auseinandersetzung ist nach meinem Ermessen wichtig, um die Verantwortung für uns selbst und unser Handeln zu übernehmen. Das braucht es hier und jetzt.


Ramona Rinke – LebensRaumWandlerin, Inspirations- und Impulsgeberin, Visionärin – GeokulturCoach – der neuen Zeit. Mehr unter: https://lebenundwandel.de/

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