Editorial zur 4. Ausgabe: Zum Winter...

Editorial zur 4. Ausgabe: Zum Winter...
©2020-2024 R. Rehahn | Ein Winterspaziergang in der Heimat...

Wenn sich das Jahr dem Ende neigt, die kalten, oft tristen Tage des Herbstes noch kälter werden und Weihnachten stetig näher rückt, ist es wieder soweit uns dem Winter zuzuwenden oder wendet er sich uns zu?

Der erste Schnee scheint wie eine Art Befreiungsruf zu sein, wenn die karge Landschaft überdeckt und neugemacht wird, wie das so oft beschriebene Blatt Papier, auf dem alles anders entstehen kann, das vorherige verschwindet und eine Offenheit für das Leben entsteht.

Kinder, wie Erwachsenen springt das Herz vor Freude in die Höhe, auch wenn letztere im selben Atemzug sogleich an die mitgebrachten Konsequenzen denken müssen und erstere im Verlauf des Tages weinend vor Kälte und Frost nach einem belebten Tag der Euphorie heimkehren.

Hier und da jedenfalls...

Eine Winterlandschaft erhebt das Herz, glaube ich.

Als ich nach vielen, schweren Jahren und noch tieferem Kummer und Leid in die Heimat zurückkehrte und meine Zeit dort mit viel Schnee gesegnet war, empfand ich das Glück aus den Kindertagen, welches man als Erwachsener oft bewusster wahrnimmt, obgleich vielleicht weniger rein. 

Und ich erinnerte mich an die vollkommene Freude, die meine liebe Frau und ich empfanden, als es an unserem Wohnort endlich schneite, oft nur eine Nacht durch und am nächsten Tag verschwunden.

Ein kurzer Spaziergang nach draußen, eine lustige Schneeballschlacht, der Blick über die zugeschneiten Dächer der Stadt, unser Winterschneetraum weilte nur kurz, aber dafür umso inniger und fortlebend in den Schnappschüssen aus dieser Zeit.

Auch die Kälte des Winters erlebte ich in der Heimat leider aufs Neue, in unterschiedlicher Art und Weise:

Einmal begann ein starker Schneefall während eines Spaziergangs und obgleich diese Gefahr niemals bestand, kam ein Gefühl auf bald eingeschneit zu werden, wie eine weiße Leinwand ist der Schnee, in der die Fantasie Blüten treibt.

Oder als wir zum Einkauf eine etwas weitere Strecke zurücklegten und es beinahe so empfanden, als seien wir in eine andere Zeit versetzt.

Die Kälte der Menschen wehte uns wie ein klirrender Nordwind entgegen, als wir auf die Straße gingen, um unserer Stimme der Freiheit vor der Obrigkeit Gehör zu schaffen und dieser zutiefst demokratische und im Osten hart erkämpfte Akt uns die Verachtung und Diffamierung unserer Mitmenschen, wie auch des Systems einbrachte, was den demokratischen Gang in die Kälte natürlich umso bedeutsamer und richtiger machte.

Wie in jeder Jahreszeit wartet die Natur auch im Winter mit Kostbarkeiten auf und der Mensch mit mancherlei Eigensinn, Liebe und Freude.

Wahrscheinlich verbinden wir deswegen so manches mit den Jahreszeiten, auch wenn es unmittelbar gar nichts mit ihnen zu tun hat. 

Doch so ist der Mensch eben.

Und dann sind da natürlich die Adventszeit (obgleich diese ja eigentlich noch im kalendarischen Herbst stattfindet) und Weihnachten, mit denen wir auch vielerlei Glück, Kummer, Freude, Trauer und anderes mehr verknüpfen.

Für mich überwiegt stets das Positive, auch wenn die Trauer und der Schmerz darüber, dass meine Frau oder unsere Eltern nicht mehr bei uns in diesem Leben weilen dürfen, unendlich sind.

In der dunkelsten Jahreszeit schaffen wir Licht, Wärme und Liebe, für uns selbst, die Familie, Freunde und alle Menschen, feiern als Christen die Geburt des Herrn Christus. In jedem Fall jedoch die Liebe, unser Miteinander und das Zusammensein auf wundersame und vielfältige Weise.

Der Jahreswechsel steht bald an, den wir feiern, besinnlich und in jedem Fall nachdenklich, hoffnungsvoll und voller Wünsche. Dann beginnt noch einmal die längste, kälteste Zeit des Winters, die oft hart zu überstehen ist, bevor die ersten Blüten durch die Erde sprießen oder knospenhaft auf den Bäumen erscheinen.

Am Ende überwiegt doch die Erleichterung, dass der Winter endlich vorüber ist und der Frühling neues Leben bringt.

Dennoch bringt der Winter auf so viele Weise Schönheit in unendlichen Details und lässt uns schließlich alles Vorherige und Kommende umso mehr schätzen, gutheißen und lieben.

Das und mehr ist die wunderbare Kraft des Winters, den wir hier dieser Ausgabe unseres Magazins mannigfaltig, wenn auch nicht allumfassend, feiern möchten und dessen Spuren wir hier für Sie, als Leser und Betrachter eingesammelt haben.

Dazu laden wir Sie herzlich ein...

R. Rehahn, im Winter 2023

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