Verse aus der Vergangenheit

Nach der gemeinsamen Theaterarbeit vor vielen Jahren, erbaten wir für diese Ausgabe des Magazins, einen kleinen Beitrag von der langjährigen Mentorin des Herausgebers, der Regisseurin & ehemaligen Leiterin des Geraer Puppentheaters, Ingrid Fischer. Diese Verse überließ sie uns und Ihnen als Leser & Leserinnen. Und so schließen sich manche Kreise, während sich natürlich neue öffnen.


MÄRZ 2021

FÜR R.

Nun bin ich alt geworden

Der Körper ist gebrechlich, Der Geist noch nicht - Alles geht langsamer Doch das Leben Vergeht schneller -

Zu Ende Wohin?

1960

MONDNACHT

Wie der Mond am weiten Himmel wandert Wolke auf Wolke

Schiebt sich an ihm vorbei,

Doch sein mildes Licht Bleibt klar.

Die Wolken nehmen den Mond In ihre Umarmung auf.

Da schickt der Himmel Die glitzernden Sterne, Wie sind sie so hoch.

Oh milde Mondnacht Wie viel Güte und Weite Schenkst Du uns.

(Da habe ich viel und tief geschmachtet.)

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FEIERTAG

Ruhe

Ein verhangener Himmel

Rauchende Essen

Nur eine Katze

Sitzt einsam im Hof.

(Der japanischen Haiku- Dichtung nachempfunden, obwohl mir diese zum damaligen Zeitpunkt noch nicht so bekannt war. Beide Verse aus Beobachtungen aus dem Küchenfenster in der Goethestraße in Gera)

OKTOBER 1960

DER MOND

Der Mond hat Dich heute Wieder gefangen
Er trägt deine Gedanken weit Und mit sich fort
Oh neige dein Haupt nicht In stummem Bangen Vorbei - ist die Zeit, Umsonst das Wort,
Das schwer
Sich dem Herzen entrang.
Ach, Mädchen,
Lass nicht die Tränen Deine Wangen verbleichen, Amor ist oft nur
Ein unsteter Gast!

(Meiner ersten großen Liebe, nachtrauernd)